Qual der Wahl: Welche Kamera ist die Richtige?

Mit dem Thema ‘Welche Kamera ist die richtige für mich?’ möchte ich die Fototippreihe fortsetzen.

Zuerst sollte geklärt werden: Welche Ansprüche habe ich an meine Kamera? Soll sie klein und leicht sein, oder darf sie auch groß und schwer sein? Möchte ich damit bei schlechten Lichtverhältnissen fotografieren, sollen manuelle Einstellungen möglich sein, usw. Es gibt viele Kameratypen, deren Auswahl meist sehr schwierig ist und einige davon möchte ich hier näher vorstellen. Ich werde teilweise bestimmte Marken sehr hervorheben, mit denen ich Erfahrungen gesammelt habe. Das heißt jedoch nicht, dass es nicht auch andere Herstellern gibt, aus deren Produktion gute Kameras hervorgehen. Lasst euch davon nicht beirren.  Ich will nur meine Erfahrungen schildern und euch ermutigen, eure eigenen zu sammeln – vielleicht mit ganz anderen Herstellern. 

Kompaktkameras

Sie sind die Kleinsten unter den Kameras und viele Urlaubsknipser oder Kinder laufen mit solchen Kameras rum. Ihr enormer Vorteil ist, dass sie so klein sind und in jede Hosentasche passen. Ebenfalls sind sie sehr günstig (teilweise schon ab 50 €). Ideal sind diese Kameras, um Kindern das Fotografieren nahe zu bringen. Und wenn man nur tagsüber fotografieren will, reichen diese Kameras auch für die Urlaubsknipser aus. Auch ich habe mit einer Kompakten angefangen, um genau zu sein mit einer Fujifilm AX220. Sie hat mir sehr gut geholfen, in das Thema reinzufinden und ich besitze sie immer noch. Einfach aus dem Grund, dass ich größere Kameras bei einem Wechsel wieder verkauft habe, bei einem Verkauf solch günstiger Kameras allerdings kein großer Gewinn gemacht werden kann.  Ich nutze sie entweder als Ersatzkamera für den Notfall,  oder aber, um eine Kamera zu haben,  die man auch anderen, die fotografieren wollen, in die Hand drücken zu können. Ich bin aber auch schnell an die Grenzen der Kamera gestoßen. Z.B. wollte ich bei immer dunkler werdenden Lichtverhältnissen fotografieren, doch dafür ist diese Kamera nicht gebaut. Die Bridgekamera meiner Mutter bot einen manuellen Modus und auf einer Familienfeier begann ich, damit zu spielen. Ein weiteres Manko: Dieser Modus ist bei einer Kompakten nicht verbaut. Und dadurch, dass diese Kameras so kompakt sind, ist leider kein Platz für einen Sucher. Daher kann man am Strand bei praller Sonne das Ergebnis nur noch erahnen. Ebenfalls ist keine Aufnahme in RAW möglich. (Was das ist und welche Vorteile es bietet, dazu wird noch ein Beitrag folgen.)
Wenn ihr also noch viel in der Bearbeitung rausholen wollt, ist eine Kompaktkamera nichts für euch.

Zusammenfassung:

Vorteile:

  • Sehr kompakt
  • Sehr günstig zu haben


Nachteile:

  • Fotografieren bei schlechten Lichtverhältnissen schwierig
  • Kein Sucher vorhanden
  • Kein manueller Modus vorhanden*
  • Keine Aufnahme in RAW möglich*


Die mit Sternchen gekennzeichneten Punkte sind nur für Personen relevant, die auch vorhaben, sich damit zu beschäftigen.



Spiegelreflexkamera

Die verschiedenen Sensorgrößen
Die verschiedenen Sensorgrößen

Diese Kameras werden in zwei Gruppen unterteilt: Auf der einen Seite die Vollformat, die von vielen Berufsfotografen genutzt wird und auf der anderen Seite die APS-C Kameras. Diese Bezeichnungen sind auf die Sensorgröße zurückzuführen. Die folgenden Abbildungen zeigen die Sensorgröße einer Vollformat, APS-C und MicroFourThird Kamera. Zu den MFT Kameras schreibe ich unter dem Punkt Spiegellose / DSLM mehr.


Vollformat

Canon 5D Mark III mit dem 24-105mm
Canon 5D Mark III mit dem 24-105mm


Diese Kameras bieten den größten Sensor, was Vor-, aber auch Nachteile mit sich bringt. Solche Kameras sind sehr groß und mit einer wachsenden Sammlung an Objektiven entwickelt sich eine kiloschwere Ausrüstung.
Durch ihren großen Sensor können die Kameras allerdings eine größere Menge an Licht ‘einfangen’, was das Fotografieren bei schlechten Lichtverhältnissen erleichtert. Hinzu kommt aber auch der relativ hohe Preis. Des Weiteren werden für solche Kameras oft sündhaft teure Objektive gekauft, die dann meist lichtstarke Festbrennweiten sind. Das Problem bei diesen ist, dass der Schärfebereich bei Offenblende sehr gering ist. Beispiel: Werden bei Hochzeiten Pärchen fotografiert, die nicht auf der gleichen Höhe stehen, kann dies zu Unschärfe einer der beiden Personen führen. Ergo: Man blendet ab. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass Freistellen mit diesen Kameras (und den passenden Optiken) echt super geht. Die geringe Schärfentiefe kann man also als Vor-, aber auch als Nachteil auffassen, da sie situationsabhängig ist.


Zusammenfassung:

Vorteile:

  • Großer Sensor
  • Sehr gutes Rauschverhalten
  • Liegen gut in der Hand
  • Geringe Schärfentiefe


Nachteil

  • Sehr teuer
  • Geringe Schärfentiefe
  • Extrem groß


APS-C

Solche Kameras benutzen häufig Hobbyfotografen, die aus den Bridgekameras ‘rausgewachsen’ sind. Der Sensor dieser Kameras ist kleiner als der einer Vollformat, aber trotzdem ein bisschen größer als ein MFT. Eine APS-C ist schon unter 400 € erhältlich und wird dann Einsteiger-DSLR genannt. Für viele Anwendungsgebiete ist diese Kamera vollkommen ausreichend. Will man allerdings noch weiter hinaus, sollte man zu einer höherwertigen Kamera greifen, um z.B. ein geringes Rauschen bei hoher ISO oder aber einen höheren Dynamikumfang zu erzielen. Teurere Kameras bieten zudem auch mehr Einstellungsmöglichkeiten, darunter eine HDR Funktion der Intervallaufnahme. Jedoch ist nicht die Wahl der Kamera allein ausschlaggebend. Mit entsprechenden Optiken lässt sich auch viel aus der Kamera rausholen. Objektive gibt es zu den Systemen der großen Herstellers zu Hauf, da auch Tamron oder Sigma Objektive für solche Kameras herstellen. Positiv zu erwähnen ist auch, dass diese Kameras im Vergleich zur Vollformat kleiner sind.



Zusammenfassung

Vorteile:

  • Einsteigerkameras sind günstig zu haben
  • Große Objektivauswahl
  • Kameragröße kleiner als Vollformat


Nachteile:

Die Nachteile bei dieser Kamerasorte sind modellabhängig, da es Kameras dieser Art gibt, die wenig Leistung erbringen und nur eine sehr schlechte Bildqualität vorweisen, aber auch die, die sehr vielfältige Möglichkeiten bieten und eine sehr gute Bildqualität besitzen. Da sollte sich am besten jeder vorher erkundigen und/oder sich bei seinem Fotohändler des Vertrauens beraten lassen.


Spiegellose (DSLM)

OLYMPUS OM-D E-M5 in schwarz
OLYMPUS OM-D E-M5 in schwarz


“Wir haben einfach den Spiegel rausgeschmissen”, sagte einmal der Product Manager Nils Häußler zu mir. Und damit hat er vollkommen recht: Die Kameras besitzen keinen Spiegel. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass man auf einen Sucher verzichten muss. Denn die OLYMPUS OM-D Reihe hat einen eingebauten elektronischen Sucher.  (Auch bei einigen anderen Herstellern von DSLM vorhanden.) Ein riesengroßer Vorteil des fehlenden Spiegels ist, dass die Kameras wesentlich kleiner sind, ihre Leistung aber trotzdem großteilig der der professionellen DSLR gleicht. Viele bewerten die geringere Sensorgröße als Nachteil, jedoch ist durch die entstehende größere Schärfentiefe ein Arbeiten mit Offenblende besser möglich, als mit einer Vollformat. Man muss nicht mehr abblenden, um das ganze Pärchen scharf zu bekommen. Wer jedoch möchte, dass die Freistellmöglichkeit der einer Vollformat gleicht, sollte entweder zu solch einer greifen oder Objektive mit einer höheren Lichtstärke kaufen.
Ein kleiner Nachteil ist aber, dass durch den fehlenden optischen Sucher bei schlechten Lichtverhältnissen auf dem Display nur noch schwarz angezeigt wird. Des Weitern ist der Akku schneller aufgebraucht, weil das Display viel öfter benutzt wird. 


An dieser Stelle möchte ich einmal auf die wunderbaren Vorteile einer OM-D eingehen:
Die Kamera bietet die tolle Funktion ‘live time’. Durch diese kann man bei Langzeitbelichtungen das Bild sehen, bevor es überhaupt fertig belichtet ist. Das heißt, während der Belichtung zeigt die Kamera an, wie das Bild später aussehen wird. Ist die Belichtung gut, drückt man auf den (Fern-) Auslöser und die Belichtung stoppt. Desweiteren besitzt die OM-D den weltweit ersten 5-Achsen-Bildstabilisator. Dadurch werden Belichtungszeiten von 1/10 aus der Hand möglich! Diese Techniken sind beide von OLYMPUS patentiert, daher ist es unwahrscheinlich, dass andere Hersteller zeitnah gleiches anbieten.  Mehr dazu aber in einem extra Beitrag.

Zusammenfassung

Vorteile:

  • Klein
  • Teilweise mit professionellen DSLR vergleichbar
  • Größere Schärfentiefe bei Offenblende


Nachteile

  • Größerer Akkuverbrauch
  • Bei schlechten Lichtverhältnissen nur noch schwarz.

 

Bridgekameras
Mit diesen Kameras habe ich bis jetzt die geringsten Erfahrungen gesammelt. Dennoch möchte ich kurz erwähnen, was allgemeine Vor- und Nachteile solcher Kameras sind und für wen sie geeignet sind.
Diese Kameras sind echte All-Rounder. Häufig decken diese Apparate einen Brennweitenbereich ab, der bei einer DSLR nur mit einem großen Tele erreicht werden kann. Trotzdem bieten diese Kameras einen guten Weitwinkel. Die ‘OLYMPUS STYLUS’ deckt einen Brennweitenbereich von 28-300 auf Kleinbild umgerechnet. Und das bei einer durchgehenden Lichtstärke von f2,8! Es gibt bei den DSLR und DSLM kein Objektiv, welches diesen Anforderungen gerecht werden könnte. Nichtsdestotrotz haben diese Kameras auch Nachteile. Beispielsweise kann man nicht mit f1,8 arbeiten, weil ein Objektivwechsel nicht möglich ist. Es wäre aber eine Überlegung wert, sich so eine Kamera als Zweitapparat für den Urlaub zu kaufen, um nicht ständig die ‘Große’ mitschleppen zu müssen, inkl. einer kleinen Objektivsammlung, um für alles gerüstet zu sein. Die Kameras sind recht klein und sollten in jedem Proviantrucksack Platz finden. Des Weiteren  haben diese Kameras viele Funktionen an Board, die auch Spiegelreflexkameras bieten, darunter den manuellen Modus. Die OLYMPUS STYLUS bietet sogar die Möglichkeit, WLAN zu nutzen. Zur Bildqualität kann ich aufgrund der mangelnden Erfahrungen meinerseits nicht viel sagen.


Zusammenfassung

Vorteile:

  • Klein
  • Großer Brennweitenbereich


Nachteile

  • Kein Objektivwechsel möglich


Anschließend ist zu sagen, dass die Wahl der Kamera manchmal nicht objektiv betrieben wird und daher bestimmte Kameras von vornherein ausscheiden. Ich habe den Fehler im Sommer 2013 gemacht: Ich wollte mir eine neue Kamera kaufen und habe mich für die Nikon D5100 (DSLR) entschieden. Ein Jahr später habe ich sie wieder verkauft und mir eine OLYMPUS OM-D gekauft. Und das nur, weil ich DSLM von vornherein abgelehnt habe.
Deshalb:  Probiert aus, wägt Vor- und Nachteile ab.

Wenn ihr euch dann für eine Kamera entschieden habt, holt euch vernünftige Objektive. Mit ihnen lässt sich das Maximum an Leistung herausholen. Mit den Kit-Optiken hat man oft nicht so viel Freude. 

Nächstes Thema: Faszination Schwarz-Weiß

 

Weiterführende Links:

Jonas Oelke

Jonas Oelke

Ich bin Jonas Oelke - Der Typ hinter dem Blog. Der Blog ist meine Tobewiese, alles was mich so interessiert und worüber ich schreiben möchte kommt hier zur Sprache. Das Hauptthema ist aber die Fotografie. Mehr unter "Über mich"

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