Frankreich – Schule – Küsschen – Verkehr

2014-10_02_Frankreich_Schule_Bises_Verkehr_headerIn den beiden vorherigen Beiträgen zu meinem Austausch habe ich so ziemlich alles noch irgendwie schön geredet. Davon möchte ich mich mit diesem Beitrag verabschieden. Der Grund dafür liegt darin, dass doch alle nur hören wollen, dass es mir gut geht und ich bei den blöden Dingen zum Anfang gedacht habe, dass ich mich noch daran gewöhnen werde. Dem scheint aber nicht so zu sein. Das Hauptproblem liegt hierbei an der Schule:

Die Schule ist ein Gefängnis, es werden mega veraltete Methoden angewandt und als Austauschschüler hat man es von vornherein schwer, sich zu integrieren!

Unsere Schule ist umringt von etwa zwei Meter hohen Zäunen, die dazu noch mit einem Sichtschutz ausgestattet sind. Es gibt nur einen Eingang, dieser ist durch ein Tor verschlossen und kann nur durch die Aufseher geöffnet werden. Sobald dieses Tor offen ist, geht eine gelbe Rundumleuchte  an, die signalisiert, dass die Schüler in der Lage wären, das Gelände zu verlassen. Alle Schüler der Schule haben eine sogenannte “Identy-Card” – so hat es mein Austauschpartner genannt, um mir zu erklären, worum es sich dabei handelt. Das ist ein Heft, das allein für die Kommunikation zwischen Schule und Eltern gedacht ist. Dieses müssen wir jedes mal vorzeigen, wenn wir zum Sportunterricht das Gebäude betreten und wenn wir die Schule vor 16:30 Uhr verlassen – das ist die Zeit zu der wir normalerweise Unterrichtsschluss haben. Ich empfinde den Schultag recht lang, im Vergleich zu Deutschland, wobei auch die JONA-Schule als Ganztagsschule erst um 15:45 Uhr die Schüler nach Hause schickt.20140927_35197

Wie schon erwähnt, fühle ich mich ein wenig in der Zeit zurück katapultiert. Wir haben hier nicht die Freiheiten, die wir in Deutschland besitzen, sondern alles was der Lehrer sagt, ist Gesetz. Das mag sich besonders für jene, die noch mit diesen Methoden Bekanntschaft gemacht haben, erstmal gut anhören … Aber wenn meinem Austauschpartner gedroht wird, irgendetwas 100 mal schreiben zu müssen, nur weil ich erzählt habe, werden wohl auch alle Anderen diese Methoden für Blödsinn halten. Ebenso, dass man sich erst hinter den Stuhl stellt und wartet, bis der Lehrer sagt, dass man sich setzten kann … Ich sehe einfach kein Sinn dahinter. Dieses Verhalten bringt weder mir noch dem Lehrer relevante Vorteile. Es ist für mich auch ein wenig gewöhnungsbedürftig, dass wir keinen Klassenraum haben, in den wir uns mal zurückziehen können und ein bisschen Privatsphäre haben. In der Freizeit halten wir uns ausschließlich auf dem Schulhof auf oder gehen in die Bücherei.

Es gibt für alle Klassen (4 Jahrgänge von A-G = 28 Klassen) insgesamt 4 Toiletten – 2x Jungs und 2x Mädchen. Zum Vergleich: An der JONA-Schule haben wir für 6 Klassen 2 Toiletten!
Das stille Örtchen grenzt an den Schulhof an und ist nicht durch eine Tür von diesem getrennt. Die Toiletten sind hier auch mehr Aufenthaltsraum als Entwässerungsstätte. Dazu kann man die Sauberkeit mit einer dieser Autobahn-Toiletten vergleichen, und teilweise sind die immer noch ansehnlicher als die an dieser Schule.

Bekanntlich weiß man ja erst was man hatte, wenn es nicht mehr da ist – So schätze ich mittlerweile auch die Freiheiten und unser Recht auf Mitbestimmung, die uns in Deutschland geboten werden.

Ich habe ja schon im letzten Beitrag erwähnt, dass es unüblich ist, etwas zu Trinken oder gar zu Essen mitzunehmen. Nachdem ich mir aber in der letzten Woche, auf Grund des aufkommenden Hungergefühls, immer eine Banane mitgenommen habe, um diese in der Pause zu essen, kam etwas ziemlich Seltsames ans Licht. Mein Austauschschüler sagte in der Pause öfters zu mir, dass ich nicht essen darf – auch nicht in der Pause. Da ich aber in den Stunden zwischen der ersten Pause und dem Mittag wenigstens annähernd zu gebrauchen sein wollte, widersetzte ich mich den Anweisungen / Hinweisen meines Austauschpartners. Jedoch kam dies einmal zum Abendbrot zur Sprache und als die Eltern dies ebenso wenig gut heißen wollten wie er, habe ich hierüber mit meiner Deutschlehrerin gesprochen. Sie sagte mir, dass Essen auf dem Schulgelände (mit Ausnahme der Schulspeisung) generell per Gesetz verboten ist. Sollte ich aber damit ein Problem haben, hat sie mir angeboten, dies mit dem Direktor abzusprechen, sodass mir dies evtl. gestattet wird. Noch bin ich nicht auf dieses Angebot eingegangen. Ich möchte erstmal sehen, wie sich die Lage entwickelt und ob ich mir das nicht vielleicht doch abgewöhnen könnte. Aber nichtsdestotrotz halte ich diese Vorschriften für ein wenig überzogen, zumal meine Deutschlehrerin mir dies mit der Hygiene begründete: Da ist es wohl wesentlich unhygienischer, wenn hunderte Schüler ihren Mund unter den selben rostigen Wasserhahn halten!

Französische Küsschen

Ich habe ja schon im letzten Beitrag verraten, dass ich hier berichten möchte, mit wem, wann und unter welchem Umständen die Bises gemacht werden. Die Bises sind die französischen Küsse, die sich immer zur Begrüßung gegeben werden. Entgegen aller Vermutungen wird sich hierbei nicht wirklich geküsst, sondern es werden lediglich die Wangen berührt. Zum Beginn meines Aufenthaltes habe ich nur meine Wange  in die Nähe von der meines Gegenübers gehalten, bis mir dann meine Gasteltern gesagt haben, wie es richtig gemacht wird.

Was die Ausführung angeht, gibt es regionale Unterschiede. Manche beginnen links, andere rechts, manche machen das drei oder vier mal. In meiner Region machen wir es so, wie es wahrscheinlich den meisten bekannt sein dürfte: Küsschen links, Küsschen rechts. Ich bin mir immernoch nicht ganz sicher, mit wem man nun genau die Bises macht. Ich warte einfach ab, wie der andere das handhabt ;-). Ich fand es ein wenig komisch, diese Küsschen mit Leuten zu machen, die ich bislang noch nie gesehen habe, deshalb habe ich meinen Gasteltern nur die Hand gegeben. Entgegen meiner Erwartung werden die Bises auch unter Jungs und Männern ausgetauscht, dass aber auch ein wenig sporadisch. In der Schule werden die Küsschen nur gemacht, wenn mindestens eine Person weiblich ist.

Während wir in Deutschland unter Jungs einen Handschlag ausführen, geben diese sich in Frankreich ganz normal die Hand. Insgesamt ist dieses Verhalten für mich noch ein wenig fremd, aber ich werde wohl noch im Laufe meines Aufenthaltes herausfinden, welchen Faustregeln man diesbezüglich folgen kann.20140927_35226

Verkehr

In diesem Punk ist Frankreich gegenüber Deutschland schon ein Stück weiter. Hierzulande gibt es wesentlich mehr Kreisel als bei uns, so müssen wir z.B. auf dem Weg zur Schule durch zwei aneinander liegenden Kreisel fahren. So etwas habe ich bislang in Deutschland nicht gesehen, aber vielleicht gibt es so etwas ja bei uns in den Großstädten. Wichtig für alle Deutschen, die einmal nach Frankreich fahren: Hier gibt es unglaublich viele Blitzer und Radarkontrollen! Ebenso wird auf den nicht selten anzufindenden Mautstraßen an jedem Checkpoint dein Kennzeichen aufgenommen. Und wenn man weniger Zeit braucht, als mit der vorgeschrieben Geschwindigkeit nötig wäre, gibt’s Post. Ich kann nur leider nicht genau sagen, wie hoch die Bußgelder sind, aber ich würde das nicht gerade billig schätzen. Also nehmt euch in Acht, der nächste Blitzer kommt bestimmt!

Auf einer Radtour, die meine Gastfamilie vor kurzem mit mir gemacht hat, habe ich angefangen, eine gewisse Vorliebe für Panoramen zu entwickelt. Alle hier gezeigten sind aus freier Hand gemacht:

Jonas Oelke

Jonas Oelke

Ich bin Jonas Oelke - Der Typ hinter dem Blog. Der Blog ist meine Tobewiese, alles was mich so interessiert und worüber ich schreiben möchte kommt hier zur Sprache. Das Hauptthema ist aber die Fotografie. Mehr unter "Über mich"

2 thoughts to “Frankreich – Schule – Küsschen – Verkehr”

  1. Lieber Jonas,
    habe gerade Deine Newsletter abonniert. Schön, dass man hier ein bisschen mehr von Dir erfährt und Deinem Leben in Frankreich. Ich mache ein bisschen Werbung, z.B. im “Max”, für Deinen Blog, ist hoffe es ist okay:).
    “Gott sei dank” lebt der Hund noch….der ist wirklich süß!
    Schöne Grüße von T. Andrea und dem Rest der Familie, einschließlich BEA!

  2. Ahoi Großer, will dem Laufenden bleiben, um zu hören, wie’s so läuft. Halt die Ohren steif! Behalte Dein Interesse und versuch’s es mal mit den Augen der locals zu sehen. Gibt es auch Dinge, die relaxter gehen als in good old allemagne? P.S. schöne Fotos. freu ich auf weitere. Frische Grüße von Tobi & Team

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