Lightroom: arbeiten mit Presets

Dieser Beitrag erweitert die Reihe Lightroom um das Themengebiet der RAW-Entwicklung und Bearbeitung mit den Presets von DOCMA in Lightroom. Eine Einführung, warum es sinnvoll ist, seine Bilder in RAW zu fotografieren, gibt es hier.

Was ist überhaupt die RAW-Entwicklung?

RAW Bilder sehen immer etwas fad und kontrastlos aus. Das hängt damit zusammen, dass bei einem JPEG die Kamera schon selber Bearbeitungen am Bild vornimmt. Daher ist die RAW-Entwicklung in dem Sinne keine richtige Bearbeitung, sondern ein wenig vergleichbar mit dem, was früher in der Dunkelkammer gemacht wurde. Es wird hierdurch lediglich ein wenig Pepp ins Bild gebracht, welchen bei JPEGs die Kamera übernimmt. Der Vorteil bei einem RAW ist aber, DU entscheidest, in welche Richtung der Pepp geht und hälst dir noch alle Möglichkeiten für weitere Bearbeitungen offen.

Mein Workflow mit den DOCMA-Presets

Die DOCMA-Presets (zum Download) sind deshalb so toll, weil sie durchdacht sind. Sie sind die einzigen, die mir bisher untergekommen sind, die sich als Paket nicht nur auf ein Foto oder eine bestimmte Richtung beschränken, sondern mit ihnen findet man zu jedem Foto die passende Kombination. Das hängt damit zusammen, dass die meisten Presets, die ich bisher ausprobiert habe, an allen Reglern rumgespielt haben, die von DOCMA sind aber schrittweise aufgebaut. So gibt es welche für Kontrast, Farbe, Bildlook, Tönung und Vignette. An einem Beispielbild werde ich zeigen, wie ich mit den Presets umgehe.

2014-10_04_Lightroom_Presets_sample_01Beginnen wir mit den Kontrasten: Besonders bei Schwarz-Weiß Fotos ziehe ich gerne mal die Kontrast-Regler sehr hoch, weil Schwarz-Weiß, meiner Ansicht nach, einfach perfekt für Kontraste aller Art ist. Den Klarheit-Regler solltet ihr aber mit Vorsicht genießen, ich neige dazu, diesen Regler zu hoch zu drehen. Sobald es euch also gefällt: Finger weg 😀 oder später einfach noch einmal drauf schauen und gucken, wie es mit weniger aussieht. Bei Porträts gehe ich mit diesem Regler wirklich nur einen Müh zurück, das lässt die allerkleinsten Hautunreinheiten verschwinden und sorgt für einen coolen, aber dennoch natürlichen Look. An dem Beispiel habe ich mich für die folgenden Presets entschieden, weil ich denke, dass dieses Bild eine Menge Kontrast vertragen kann:

  • DOCMA-V2-01K-Outdoor2-HiContrast
  • DOCMA-V2-01K-Outdoor2-Crisp

Danach geht es an die Farben, je nachdem welchen Look ich später dem Bild geben möchte, wähle ich das richtige Preset. Bei dem Beispielbild  habe ich das folgende Preset angewandt:

  • DOCMA-V2-02F-C-Bunt

2014-10_04_Lightroom_Presets_sample_02Die meisten der von DOCMA zur Verfügung gestellten Presets ziehen ein wenig Farbe aus dem Bild, dieser Effekt kommt aber bei diesem Motiv meiner Meinung nicht so gut. Das hier verwendete Preset ist mit der Version 2.4 hinzugekommen, bis dahin habe ich mir mit einem selbst erstellten Preset dieser Art weitergeholfen, das verwende ich aber mittlerweile nur noch sehr selten – ich bin halt nicht so der Künstler im Erstellen von Presets. Vorsicht ist aber bei diesem Preset geboten:

  • DOCMA-V2-02F-C-Yellowish

Es verändert die Hauttöne in ein dermaßen unnatürliches orange. Vielleicht ist es auch nicht für Porträts bestimmt, aber ich habe den Fehler gemacht und dies auf ein paar Hochzeitsbilder angewandt, und dann fragte mich die Fotografin, die ich begleitet habe: “Was hast du denn mit der Haut gemacht?”. Ich war mir erst gar keiner Schuld bewusst, bis ich das Original und die Bearbeitung angeschaut habe … da sah ich das Übel.

Jetzt bin ich bei einem Schritt angelangt, den bislang noch kein Preset ersetzen konnte. Oft empfinde ich vereinzelt Kontraste zu hoch oder niedrig, genauso können auch wie in diesem Beispiel die Farben zu intensiv sein. Deshalb drehe ich vereinzelt an einigen Reglern nach, um ein insgesamt stimmiges Bild zu bekommen. Farbanpassungen mache ich fast ausschließlich mit dem Sättigungs- und Dynamikregler, 2014-10_04_Lightroom_Presets_sample_03nur wenn ich gezielt eine Farbe ansprechen will, greife ich auf die Möglichkeiten im Bereich “HSL / Farbe / S/W” zurück . Falls ich ein Schwarz-Weiß-Bild habe, verstärke ich den Kontrast meistens nochmals. Sollte ich mich für ein Farbfoto entschieden haben, kommt es auch oft vor, dass ich wieder mit dem Kontrast runtergehe. Kontrastveränderungen nehme ich auch gerne mit der Gradiationskurve vor, hier kann ich genauer arbeiten als mit den normalen Reglern. Es handelt sich hierbei um eine Feinabstimmung und Findung des eigentliches Looks, die groben Einstellungen übernehmen die Vorgaben für mich.

Nun kann ich  mit den Presets von DOCMA noch einen Look auf das Bild geben, wie es unter Anderem mit verschiedenen Apps auf dem Handy möglich ist. Jedoch lasse ich diesen Schritt meistens ganz aus, da die Bilder danach meistens nicht mehr natürlich aussehen. Wenn ich aber den Look des Bildes nicht mehr natürlich haben will und z.B. eher einen Retrolook möchte, dann wird dieser Teil des Preset-Pakets wieder interessant. Meine Lieblinge unter den Effekt-Presets sind:

  • DOCMA-V2-03E-G-AnalogColored
  • DOCMA-V2-03E-G-FlatColor

Auf Schwarz-Weiß-Bildern wende ich auch gerne das folgende Preset an, weil es abermals den Kontrast erhöht:2014-10_04_Lightroom_Presets_sample_04

  • DOCMA-V2-03E-G-SteepGray

Im letzten Schritt gebe ich dem Bild ggf. eine Tönung und eine Vignette. Dafür sind bei diesem Bild die zwei folgenden Presets angewandt worden:

  • DOCMA-V2-03E-T-OrCy-30-10
  • DOCMA-V2-03E-V-Softer_JO

Das letzte Preset ist ein von mir erstelltes, welches eine noch weichere Vignette macht, als das weicheste von DOCMA. Ebenso habe ich mir welche für Schärfe und Rauschreduzierung angelegt, da diese beiden Regler in den vorhandenen Presets nur in den Extremen verwendet werden. Ich möchte aber auch die mittleren Bereiche abdecken und habe mir daher die folgenden Presets selbst erstellt:

  • DOCMA-V2-02F-C-Intensive-Farben_JO
  • DOCMA-V2-03E-D-Rauschreduk-Mid_JO
  • DOCMA-V2-03E-D-Schärfe-Mid_JO
  • DOCMA-V2-03E-K-Körnung-Mid_JO
  • DOCMA-V2-03E-V-Softer_JO

Alle sind an die Namensgebung von DOCMA angepasst, denn nur so sehe ich alle Presets zu diesem Schritt auf einmal. Das Intensive Farben Preset stammt noch aus der Zeit, als es das Bunt Preset von DOCMA noch nicht gab, es hat noch intensivere Farben als das von DOCMA und wird auch nur sehr selten von mir verwendet. Alle aufgezählten Presets sind unten zum Download bereitgestellt und können perfekt in eine bestehende Sammlung von DOCMA-Presets integriert werden. Das bearbeitete Bild hier in erhöhter Auflösung:

2014-10_04_Lightroom_Presets_sampel_end

Gesamtfeedback zu den Presets von DOCMA

Das Presetsystem von DOCMA ist das durchdachteste was mir bislang untergekommen ist. Durch die Einteilung in die verschiedenen Bereiche können diese Presets auf fast jedes Bild angewandt werden. Jedoch hat dieses ganze System für Unerfahrene auch einen Haken. Als ich begann, die DOCMA-Presets zu verwenden, fing ich an, meine Bilder immer mehr zu bearbeiten. Ich setzte den Bildern teilweise Looks auf, die ich früher als Schnappschuss abgestempelt hätte. Mit den Möglichkeiten, die diese Presets bieten, sollte man vorsichtig umgehen, denn dadurch wurden meine Bilder am Anfang sehr unnatürlich. Durch Feedback von anderen ist mir aufgefallen, was ich da eigentlich tue. Jetzt bewege ich mich auf einem Weg indem ich versuche, eine gelungene Mischung aus

  • Verwendung der vorhandenen Möglichkeiten
  • natürlichem Bildlook
  • und eigener Note

zu finden. Ebenso möchte ich noch anmerken, dass die Benennung einiger Presets sehr fragwürdig ist, so habe ich z.B. die Vorgaben zur Körnung sowie Schärfe und Rauschreduktion in für mich passendere Namen umbenannt. Zum Abschluss noch einen Dank an Christoph Künne (Chefredakteur von DOCMA), der mir in einem Workshop während dem Umweltfotofestival <<horizonte zingst>> gezeigt hat, dass Presets einem das Leben leichter machen, auch wenn ich dies anfangs nicht glauben wollte.

Download “Meine Lightroom Presets” 2014-10_04_Lightroom_Presets_Paket.zip – 701-mal heruntergeladen – 3 KB

 

Jonas Oelke

Jonas Oelke

Ich bin Jonas Oelke - Der Typ hinter dem Blog. Der Blog ist meine Tobewiese, alles was mich so interessiert und worüber ich schreiben möchte kommt hier zur Sprache. Das Hauptthema ist aber die Fotografie. Mehr unter "Über mich"

4 Kommentare zu “Lightroom: arbeiten mit Presets

  1. Hallo Jonas, vielen Dank für den Bericht. Nur ne kurze Info. Das System funktioniert nur bei der Verwendung von Canon-Kameras richtig gut. Bei Nikon leider nicht wirklich. Ich habe ganz grauenhafte Ergebnisse damit auf meiner Nikon D800. Ich verwende sie ab und zu, aber nicht alle und meistens regele ich die noch zurück. Da Nikon seine Daten von den Nefs nicht freigibt, haben wir da leider nicht so tolle Möglichkeiten, wie die Canon-Gemeinde.

    LG Markus

    1. Hallo Markus,

      erstmal Danke für deinen Kommentar. Mir war bisher zwar nicht bewusst, dass die Presets auf Canon Kameras ausgelegt sind, das würde ein wenig erklären warum manchmal der Effekt ein wenig überzogen ist. Wie beschrieben, benötige ich ebenfalls meistens noch eine kleine Korrektur. Im übrigen: die meisten meiner Bilder sind mit OLYMPUS Kameras aufgenommen, Nikon sind nur noch die alten :-). Viele Grüße Jonas

  2. Netter Artikel. Ich musste etwas schmunzeln beim letzten Absatz (Gesamtfeedback), genau wie dir ging es mir auch mit den Presets. Mittlerweile verwende ich sie etwas seltener. Mir ist aber auch noch aufgefallen, dass ich wohl mal auf die neueste Version updaten muss. Danke auf jeden Fall für den Einblick in deine Arbeitsweise 🙂

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