Zurück in Deutschland

Seit dem 12 Dezember bin ich nun zurück aus Frankreich. Drei Monate sind vorbei und ich habe einen ganze Menge Erfahrungen gesammelt. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Dinge noch einmal zusammen, ebenfalls soll er späteren Austauschschülern einen kleinen Einblick geben, was man in dieser Zeit alles erleben kann:

Wie bin ich zu dem Austausch gekommen ?

Die Teilnahme an diesem Austausch war schon früh sicher. Unsere Schule nimmt jedes Jahr mit einigen Schüler an dem Programm „Brigitte SAUZAY“ teil. Da ich gerne Reise und für so ziemlich alles offen bin, reizte mich die Teilnahme an einem derartigem Austausch schon etwa seit Anbeginn meiner Französischlehrzeit. In der Hoffnung, dass unsere Französischlehrerin uns rechtzeitig über das Bewerbungsverfahren in Kenntnis setzen würde, so wie es in denvoherigen Klassen auch geschehen ist, warteten wir auf weitere Informationen. Je dichter der Oktober kam, umso mehr löcherten wir unsere Lehrerin, uns bitte mit weiteren Informationen zu versorgen, denn wir wussten noch gar nichts. Bis zu dem Zeitpunkt hieß es, dass uns alles rechtzeitig  gesagt werde würden.

Also bis Freitag müsst ihr euch im Onlineportal beworben haben …

Leider  wurden wir erst zwei Tage vor Bewerbungsschluss von unserer damaligen Lehrerin darüber informiert, dass wir noch bis Freitag Zeit haben, uns mit einem Anschreiben bezüglich der Motivation für diesen Austausch und einer kurzen Vorstellung zu bewerben. Zur Krönung sollte dies auf Deutsch sowie Französisch geschehen. Wünschenswert wäre ein Plakataushang mit genauen Terminen am schwarzen Brett gewesen.

Besuch meines Austauschpartner bei uns

Nachdem wir am 27. März einen Tagesausflug mit der Familie nach Berlin gemacht haben, um zum Abend meinen Austauschschüler vom Flughafen Tegel abzuholen, ging es für ihn am Folgetag gleich zur Schule. Aufgrund seines Alters und Erfahrungen mit früheren Austauschschülern, hat die Schule schon von vornherein beschlossen ihn eine Klasse tiefer zu unterrichten.  Ich kann nicht sagen, ob diese Entscheidung förderlich für das Wohlbefinden meines Partners gewesen ist, aber ich glaube, dadurch hatte er überhaupt annähernd eines Chance, irgendetwas aus dem Unterricht mitzunehmen – zumal in Frankreichder Stoff sowieso ein wenig zurück ist.

Mein Austauschpartner hatte das Glück, dass er in einer ferienreichen Zeit nach Deutschland kam. So zum Beispiel die Osterferien, in denen wir mit ihm an der Müritz waren. Wir haben ihn in alle familiären Aktivitäten, so gut es ging eingebunden, um ihm seine Zeit in Deutschland so angenehm wie möglich zu machen.

Die Rückreise hat er nicht, wie die meisten, mit der Gruppe gemacht, sondern er wurde von seiner Familie bei uns abgeholt. Schon damals hatten wir viel Kontakt zu seinen Eltern in Frankreich, um sie bei bei der Planung ihres Trips durch Deutschland bestmöglich zu unterstützen. Durch diesen Umstand hatte ich die Möglichkeit, meine Gasteltern schon vor meiner Ankunft in Frankreich kennen zu lernen.

Die Schule – Oder doch lieber „das Gefängnis“?

Was die Schule angeht, so fühlte ich mich dort mich dort nicht wirklich wohl. Alle Schüler der Schule hatten ein Heft, den „Carnet de Correspondence“. Dieses war allein für die Kommunikation zwischen Schule und Eltern zuständig, ohne welches ich nicht vor 16:30 Uhr das Schulgelände verlassen durfte und welches jedes Mal zum Eintritt in die Sporthalle benötigt wurde. Aufgrund übermäßiger Kontrolle, durch extrem viele Aufseher und auch dem eben angesprochenen Heft fühlte ich mich in der Schule ein wenig wie in einem Gefängnis. Ebenfalls herrscht ein wenig mehr Disziplin, warum ich diese aber zu überdosiert finde, kannst du in meinem Blogbeitrag lesen, dessen Hauptthema die Schule ist: http://wp.me/p4Od7l-eG

Die Esskultur in Frankreich 

Die Vorurteile bezüglich der Essgewohnheiten welche die Deutschen gegenüber den Franzosen haben, bestätigten sich. Es gab immer Brot, wirklich zu fast jeder Mahlzeit. Selbst in der Schule gibt es immer ein Brötchen dazu. Dadurch, dass ich in der Küstenregion gelebt habe, haben wir sehr viel Meerestier gegessen. Ich bin nicht wirklich der Typ der etwas ablehnt nur weil ich es nicht kenne, daher habe ich so gut wie alles, was mir aufgetischt wurde, probiert, darunter alle möglichen Sorten an Muscheln, Krebs  und Shrimps. Auch Muscheln habe ich probiert, und ich finde, dass diese gar nicht so schlecht schmecken.

Mehr über die Esskultur in einem meiner Blogbeiträge: http://wp.me/p4Od7l-eB

Kacka machi

Die Toilettengewohnheiten in Frankreich waren eine wenig, ähm … „anders“ ist vielleicht ganz treffend. Es gibt „Toilettenarten“ die uns Deutschen vielleicht gar nicht bekannt sind. Ebenfalls ist die Klobürste entweder nur Dekoration oder gar nicht vorhanden, genauso ist einigen Franzosen der Spülknopf nicht bekannt und die Meisten halten es nicht für nötig, sich nach dem Toilettengang sich die Hände zu waschen. Wer noch mehr über die Toilettengewohnheiten in Frankreich wissen will, schaut sich am besten meinen Blogbeitrag an, in dem unter Anderem auch eine Grafik mit bekannten Toilettenarten enthalten ist: http://wp.me/p4Od7l-jn

Familie

Ich fühlte mich in meiner Gastfamilie sehr wohl. Ich wurde in  jegliche Aktivitäten, die wir unternommen haben, integriert. Es wurde unter Anderem auch auf meine Bedürfnisse eingegangen, so wurde ich zum Beispiel gefragt, was mir schmeckt und was nicht. Meine Gastmutter scheint beobachtet zu haben, wovon ich viel und gerne esse. Davon hat sie dann immer etwas mehr gekauft. Zum Anfang war es schon schwierig, sich untereinander zu verständigen, jedoch hatte mein Gastvater Deutsch und meine Gastmutter English als erste Fremdsprache. So kam es vor, dass zum Anfang ein Satz aus französischen, deutschen und englischen Wörter bestand.

Mein Gastvater arbeitet als Tierarzt und er hat mir angeboten, ihn einen Tag lang zu begleiten. Das war ein wirklich sehr cooler Tag. Er hat mit gezeigt, was er alles so auf Arbeit macht und ich durfte sogar bei mehreren Operationen dabei sein und zusehen wie er oder ein anderer Doktor das Tier operierte.

Als Deutscher in der Familie habe ich der Gastfamilie auch einige deutsche Weihnachtstraditionen gezeigt. So bekam ich mehrere Pakete von meiner Familie aus Deutschland, die vor lauter Plätzchen schon überquollen. Für die Kinder gab es auch ein kleines Nikolausgeschenk. Die Eltern waren darüber informiert, weil sie auch bei der „Geschenkberatung“ mithalfen. Ich fand es sehr nett, dass ich zum Nikolaus auch ein kleines Geschenk bekommen habe :). Insgesamt haben wir uns alle ausgesprochen gut verstanden. Ich hoffe, dass ich weiterhin mit der Familie in Kontakt bleibe, beim nächsten Urlaub in Frankreich werden wir auf jeden Fall vorbeischauen.

sprachlicher Fortschritt

Meine Fähigkeit mit den französischen Wörtern zu jonglieren, konnte ich mit diesem Austausch extrem verbessern. Auch wenn ich nicht wirklich so jemand bin, der sich dann während des ganzen Austausches von morgens bis abends mit der Sprache beschäftigt, so konnte ich in diesem drei Monaten meine Französischkenntnisse um einiges erweitern, aber mit noch einer ganzen Menge Potenzial nach oben. Wenn ich diese drei Monate noch einmal erleben könnte, so hätte ich von Anfang an ein kleines Vokabelheftchen geführt. Das ist vielleicht nicht für jeden etwas, aber da ich sehr vergesslich bin, hätte es wahrscheinlich sehr geholfen. Zum Beispiel ist es häufig vorgekommen, dass ich ein Wort nicht verstanden habe, dann habe ich gefragt was das bedeutet und noch während mir das Wort erklärt wurde, habe ich schon vergessen um welches Wort es ging.

Kritik am Programm

Ich muss ehrlich sagen, dieser dreimonatige Austausch mit knapp 70 Schülerinnen und Schüler war um Einiges besser organisiert, als manch einwöchige Klassenfahrt mit 20 Personen.  Es gab keine Probleme auf der Hin- und Rückreise und wir wurden über alle wichtigen Dinge informiert. Kurz: Es lief alles wie geschmiert. Ich wüsste nicht, was man noch besser machen könnte.

In der kommenden Zeit, möchte ich alle gesammelten Eindrücke in einem Buch festhalten. Ich werde mir das ganze als gebundene Ausgabe bestellen, für dich wird das ganze als eBook zum Download bereit stehen, wenn du dich für den Newsletter anmeldest :-). Trag dich ein und du bekommst einen Downloadlink, sobald das eBook verfügbar ist.

 

 

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Denk an die Anderen …

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Wir befinden uns mitten in der Vorweihnachtszeit, nur noch wenige Tage, dann wird in den meisten Haushalten Deutschlands Weihnachten gefeiert. Es gibt ein Festessen und alle beschenken sich gegenseitig. Überall hängen Lichterketten und die Häuser sind wundervoll geschmückt. Vor einigen Tage habe ich diese Gelegenheit genutzt, um mit meiner Kamera durch die Straßen Stralsunds zu spazieren und das Weihnachtsfeeling ein wenig einzufangen.

Besonders zu dieser Jahreszeit trifft man auf ein paar mehr Obdachlose auf den Straßen. Ich kam gerade aus dem NanuNana und freute mich nun, alle Weihnachtsgeschenke besorgt zu haben, da traf ich auf so jemanden. Ich habe ihn schon auf dem Hinweg getroffen und beschlossen, dass ich das Wechselgeld, welches bekommen werde,  in seine Dose schmeiße.

Als ich dichter kam, fing ich an, den Mann interessant zu finden. Ich mache das öfter, wenn ich unterwegs bin. Ich schaue mir die Gesichter anderer Menschen an und überlege, ob die Gesichter interessant sind. Das begann, als ich für die Ausstellung “Stralsund Monotone” unterwegs war. Ich brauchte für die Ausstellung Portraits mit Gesichtern Stralsunds, aber ich wollte nicht ein x-beliebiges Gesicht nehmen, sondern eines mit Geschichte, so schulte ich meinen Blick für Gesichter.

Da ich sowieso meine Kamera dabei hatte, fragte ich den Obdachlosen, ob ich vielleicht ein paar Fotos von ihm machen dürfe – davor hatte ich schon einen Teil in seine Kasse gelegt, damit es nicht ganz so unhöflich kommt. Es entwickelte sich ein Gespräch, ich stellte fest, dass er nicht ganz so gut Deutsch spricht, aber ich durfte einen ganz kleinen Teil seiner Persönlichkeit kennenlernen. Ich empfand ihn als sehr sympatisch. Ebenfalls kam er mir trotz seiner schlechten Situation nicht so vor, als dass er das Leben nicht genießen würde. Ich spürte Lebenslust in seinen Worten.

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Er erzählte mir, dass er aus Ungarn kommt und zum Ende der Woche wieder dahin muss. Dort seien auch seine Frau und seine Kinder. Nach unseren Unterhaltungen willigte er ein und ich begann meine Idee, die Bewegungen die er mit seiner Gitarre macht, zu verbildlichen.

Als ich Unmengen an Fotos von dieser extrem interessanten Persönlichkeit gemacht hatte, wollte ich langsam wieder aufbrechen damit ich mich zur vereinbaren Zeit am vereinbarten Ort mit meiner Mutter treffen konnte. Auch er wollte langsam einpacken und in diesem Augenblick beschloss ich, ihm eine kleine Freude zu bereiten. Ich fragte ihn, wie lange er noch da wäre. Darauf antwortete er mir, dass er jetzt eigentlich los wolle und er morgen und übermorgen noch da wäre. Ich habe ihn um 5 Minuten gebeten, woraufhin er mir sogar 10 gab 😀

Also bin ich losmarschiert zum Rossmann, um eines der gemachten Bilder auszudrucken. In Windeseile habe ich die geschossenen Bilder gesichtet und mich entschlossen. Also an den Fotodrucker ausgewählt und gedruckt.

Diese Fotodrucker sind extrem blöd, da sie einem nicht drauf hinweisen, dass die Bilder im falschem Format aufgenommen sind, sondern einfach abschneiden. Naja, ganz nach dem Motte “Scheiß drauf, ich lass das jetzt so”, bin ich an die Kasse. Uff, gefühlt eine Million Menschen waren vor mir an der Kasse. Etwas unter Zeitdruck beeilte ich mich mit demBezahlen und bin schnell wieder zu dem Mann hingegangen, in der Hoffnung, dass er immer noch da ist. Ich wurde nicht enttäuscht. Er hat seinen Platz nicht verlassen und ich überreichte ihm den Umschlag mit dem Foto. Er hat sich sichtlich gefreut. Wir haben uns gegenseitig frohe Weihnachten gewünscht und gingen jeder unseren Weg.

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Es ist ein schönes Gefühl, jemandem ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, und erst recht, wenn dies schon mit Kleinigkeiten funktioniert. Im Nachhinein, beim Schreiben dieses Beitrages, denke ich darüber nach, ob ich ihm nicht vielleicht ein paar mehr Bilder als nur eines hätte geben sollen, vielleicht nächstes Mal.

Ich möchte mit diesem Beitrag bezwecken, dass den Obdachlosen die auf der Straße sitzen mehr Beachtung geschenkt wird. Es muss nicht immer gleich ein Zehner abgegeben werden, aber vermutlich jeder, der diesen Beitrag liest, hat es nicht nötig, auf der Straße zu sitzen und zu betteln (es ist eigentlich ein doofes Wort, weil es so abwertend klingt). Es hält sich immer noch hartnäckig die Meinung, dass es diese Menschen nicht wert wären, da sie ja das Geld eh nur für Alkohol und Zigaretten ausgeben. Aber wer wirklich dieser Meinung ist, der kann auch einfach mal den Rest von seinem Brötchen abgeben. Es ist für uns nur eine Kleinigkeit, aber spätestens wenn der Beschenkte dir ein Lächeln schenkt, dann wirst du erkennen, was du damit erreicht hast! Es ist einfach ein schönes Gefühl. In Frankreich konnte ich einmal beobachten wie zwei Frauen das Baguette von dem sie lediglich zwei mal abgebissen hatten, einem Obdachlosen schenkten

Selbstverständlich werde ich hier keine Bilder veröffentlichen die diesen Mann abbilden, unter Anderem auch aus dem Grund, dass er nicht eingewilligt hat. Aber mit den gezeigten Bildern, möchte ich die Aussage dieses Beitrags noch einmal unterstreichen. Also wenn du das nächste mal an jemandem vorbeigehst, der es sichtlich schlechter hat als du, dann denke wenigsten ein bisschen nach, anstatt ihn komplett zu ignorieren 🙂

 

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Stockfotografie – Nur was für Amateure?

Stockfotografie ist das China der Fotografie. Es gibt gute Bilder zu Spottpreisen – nicht mal mehr ein Euro muss für ein Bild gezahlt werden.

Vor kurzem tauchte in meinem Newsfeed “Fotolia – zwei Freunden gefällt das” auf. Ich stand vor der Frage “Soll ich dem wirklich ein Like geben? Interessiert mich das wirklich?”. Und ich begann über das System der Stockfotografie nachzudenken und habe beschlossen, meine Gedanken in diesem Beitrag festzuhalten.

Es war 2010, ich war absoluter Fotografie-Anfänger, hatte lediglich eine kleine Kompaktkamera. Aber ich wusste eins:

Mit Fotografie lässt sich Geld verdienen

Also erstellte ich mir ein Fotolia Profil und schaute mir zwei Bilder an, die sich ziemlich gut verkaufen ließen. Daraufhin schnappte ich mir meine kleine Kompaktkamera und knipste, was das Zeug hält. Von allem möglichen Technikkram, bis hin zu Hintergründen, die es schon tausendfach gibt. Die Enttäuschung kam überraschend schnell: Unter mehr als 100 Fotos wurden lediglich 4 Stück angenommen. Ich freute mich einen Kullerkeks, dass ich Bilder habe, die dort angenommen wurden, bis ich irgendwann merkte, dass Kullerkekse keine Ecken haben.

Durch die relativ geringe Anzahl an Views und ausbleibenden Verkäufen merkte ich, dass ich etwas falsch mache. Aber anstatt mich mehr auf Stockfotografie zu konzentrieren, fasste ich den richtigen Entschluss:

Ich machte, was mir Spaß macht

Denn mit Stockfotografie lässt sich zwar Geld verdienen, aber seien wir ehrlich: Macht das denn auch Spaß? Deine Bilder werden zu Spottpreisen für unter einen Euro verkauft, wenn du nicht richtig gut bist und dann lässt sich damit doch nichts verdienen. Und so richtige “Kunst” ist das auch nicht, man sieht kaum Bilder, die wirklich etwas mit ernsthafter Fotografie zu tun haben. Darunter verstehe ich aussagekräftige Porträts oder halt so kreative Dinge. Aber genau das macht die Stockfotografie zum Alltäglichen.

Stockagenturen zeigen den Alltag

Wir sehen ständig überall Bilder von Stockagenturen, egal wo wir hinschauen, auf fast jedem Werbeplakat. Deshalb sind die Bilder nichts Besonderes mehr für unser Auge, denn wir sehen sie jeden Tag. Besondere Bilder, die Emotionen ausstrahlen oder den Betrachter welche fühlen lassen, gibt es nicht für Spottpreise zu kaufen – denn dann wären sie nichts Besonderes mehr.

Viele sind der Meinung, dass Stockfotografie das Fotografengeschäft ruiniert, aber im Prinzip ist es eigentlich eine Win-Win Situation. Leute, die alltägliche Bilder brauchen, kommen ganz günstig ran, und Leute die (gute) “Alltagsbilder” produzieren, haben eine riesengroße Plattform, um sie zu vermarkten. Wer hingegen außergewöhnliche Fotografien sehen will, sollte mal die Seiten von namenhaften Fotografen screenen, denn solche Bilder findet man nicht auf Fotolia und Co.

Ich hatte mal eine Diskussion mit einer Fotografin  über Postkarten. Sie meinte “Die Bilder sind perfekt“, ich war der Meinung, dass Postkartenbilder ganz und gar nicht perfekt sind. Denn sie sind nur dazu gedacht, dem anderen zu zeigen, wo man sich gerade befindet und was man gesehen hat. Hast du jemals eine Postkarte bekommen und auf Grund des Bildes eine bestimmte Emotion gefühlt? Nein? Nicht verwunderlich, dafür weißt du, wo dein Absender sich aufgehalten hat. Damit sind Postkartenbilder meiner Meinung nach perfekt für ihren Zweck. Nicht mehr und nicht weniger.

Aber was hat das ganze jetzt mit der Überschrift zu tun?

Ich möchte, dass du dir klar darüber wirst, dass du als Stockfotograf nicht so kreativ werden kannst, wie du es dir vielleicht wünscht. Du kannst keine wunderbaren Astrofotografien, welche die Milchstraße zeigen, zu Stockagenturen geben, dafür wären sie viel zu gut. Und abgesehen davon fällt mir gerade keine Situation ein, in der jemand so ein Bild kaufen würde, weil er es für irgendeine Publikation braucht.

In gewisser Weise ist Stockfotografie nur etwas für Amateure, auch wenn mir viele Fotografen dafür jetzt vielleicht den Kopf abhacken würden, aber ernstzunehmende Kunstwerke kommen dabei wohl in den seltensten Fällen raus. Vielleicht habe ich auch einfach nur ein falsches Bild von der Stockfotografie, falls das so sein sollte, schreibt’s mir bitte in die Kommentare und korrigiert mich. Aber macht es denn Spaß, irgendwelche Bilder zu machen, die es wahrscheinlich schon zu Hauf gibt, und diese dann für ein paar mickrige Cents zu verkaufen? Das wäre nichts für mich …

Ich will damit nicht sagen, dass Stockfotografen Amateure sind, keineswegs, denn die Personen, die hinter den Bildern stecken, sind meistens professionelle Fotografen – jedenfalls alle, die damit hohen Umsatz erzielen können. Aber wie ich bereits sagte, mit künstlerischer Fotografie hat das eher weniger zu tun.

Aber wenn wir ständig nur Top Fotografien sehen würden, wäre das unser Alltag … von daher ist Stockfotografie nicht mehr aus unserem Leben zu denken, denn ohne Gut kein Böse, ohne groß kein klein und ohne Stockfotografie keine Kunstwerke.

Vielleicht stehe ich mit meiner Meinung alleine, vielleicht aber auch nicht … schreibt in die Kommentare, wie ihr zu meiner Meinung steht, und wo ihr die Stockfotografie in eurem Leben seht. Ich stehe gerne zu Diskussionen bereit 😉

PS: Ich habe übrigens mein Like bei der Fotolia Facebook-Page gelassen.

Vielen Dank an Fotolia, die mir das Bildmaterial im Beitragsbild kostenfrei zur Verfügung gestellt hat, hier die bildnachweise:

  • #73823852 © Gianluca Congiu – Fotolia.com
    http://de.fotolia.com/id/73823852
  • #45604399 © Robert Kneschke – Fotolia.com
    http://de.fotolia.com/id/45604399

 

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Rezension zum Hörbuch “Abenteuer Fotografie”

 

Hörbücher. Das sind doch die Dinger für Leute, die keine Lust zum Lesen haben, oder?

Ich gehöre zu den Menschen, die so gut wie gar nicht lesen – jedenfalls keine Bücher. Das letzte Buch, was ich gelesen habe, waren “Die Känguru Chroniken”, aber davon dann auch gleich alle drei Teile. Nun hat der gute Stilpirat alias Steffen Böttcher ein Hörbuch veröffenlicht. Es ist schon eine ganz interessante Geschichte, denn dieses Hörbuch ist das einzige mir bekannte, welches sich die Fotografie als Themenschwerpunkt gesetzt hat. Daraufhin habe ich mich ein wenig informiert und von einer Freundin erfahren, dass dieses Hörbuch auf dem gleichnamigen Buch von dem Stilpiraten basiert und dieses anscheinend vor schon sehr gute Kritiken erhalten hat.

Also, Hörprobe angeschmisesen und beschlossen “Jup, das Ding muss ich haben”. Leider hatte ich nicht ganz die Zeit, alle vier Stunden am Stück zuzuhören, aber unglaublicher Weise habe ich es bis zum Ende geschafft. Ich habe noch ganz viele Videotrainings auf meiner Festplatte, die ich teilweise noch gar nicht wirklich angefangen habe. Die Begeisterung zu diesem Hörbuch beruht wahrscheinlich darauf, dass Steffen keine Schritt-Für-Schritt Anleitungen gibt, für die man ständig aufmerksam zuhören muss.

Er erzählt ganz offen und ehrlich über seine Erfahrungen. Dabei ist der ganze Text schon sehr lustig und direkt geschrieben, die Krönung ist aber sein Talent für’s Vorlesen. Vielleicht ist es auch nicht wirklich ein Talent, denn ich weiß, dass er dafür Unterricht genommen hat 😀 …

Dieses Hörbuch ist nicht nur für Anfänger der Fotografie geeignet, auch wenn diese hieraus wahrscheinlich am meisten lernen, denn auch für Fortgeschrittene sind viele nützliche Informationen verpackt. Ebenfalls finde ich es immer sehr interessant, Meinungen anderer zu hören, und die gibt es in dem Hörbuch von Steffen Böttcher reichlich.

Manch einem mag das lockere und selbstbewusste Auftreten des Stilpiraten nicht gefallen, unter anderem weil sie vielleicht ein wenig spießiger sind, aber mir gefällt’s. Ob es nun wirklich in jeder Situation gerechtfertigt ist, Hausfriedensbruch für ein Foto zu begehen, ist vielleicht ein wenig fragwürdig, ermutigt aber dazu, Grenzen zu überschreiten und damit quasi “grenzenlose” Fotografien anzufertigen.

Eine Rezension die ausschließlich positive Dinge erwähnt schaut immer ein wenig gekauft oder nicht ganz ehrlich aus, aber je länger ich nachdenke, desto weniger fällt mir ein, was mir nicht gefällt. Ich musste förmlich suchen, um hier Negatives schreiben zu können – und das zeigt doch, wie gut das Ding eigentlich ist. Aber am Ende meiner Suche habe ich etwas gefunden. Durch das fehlende Video gibt es nur den Ton, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dadurch neigt man dazu, andere Dinge zu tun und sich vom eigentlichen Hören und Amüsieren über seine Erfahrungen ablenkt, es wirkt dadurch wie Musik, die im Hintergrund läuft. Das kann man zwar machen, aber wenn ich irgendwann mal viel Zeit finde, werde ich mir das ganze Hörbuch noch einmal anhören. Und dann ohne mich von etwas ablenken zu lassen.

Meine Meinung zum Hörbuch Fotografie von Steffen Stilpirat Böttcher. Für alle die noch einen kleinen Motivationsanschub brauchen, habe ich hier die Hörprobe verlinkt – es lohnt sich auf jeden Fall.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=_JiZwi0Pk1g]

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