Stockfotografie – Nur was für Amateure?

Stockfotografie ist das China der Fotografie. Es gibt gute Bilder zu Spottpreisen – nicht mal mehr ein Euro muss für ein Bild gezahlt werden.

Vor kurzem tauchte in meinem Newsfeed “Fotolia – zwei Freunden gefällt das” auf. Ich stand vor der Frage “Soll ich dem wirklich ein Like geben? Interessiert mich das wirklich?”. Und ich begann über das System der Stockfotografie nachzudenken und habe beschlossen, meine Gedanken in diesem Beitrag festzuhalten.

Es war 2010, ich war absoluter Fotografie-Anfänger, hatte lediglich eine kleine Kompaktkamera. Aber ich wusste eins:

Mit Fotografie lässt sich Geld verdienen

Also erstellte ich mir ein Fotolia Profil und schaute mir zwei Bilder an, die sich ziemlich gut verkaufen ließen. Daraufhin schnappte ich mir meine kleine Kompaktkamera und knipste, was das Zeug hält. Von allem möglichen Technikkram, bis hin zu Hintergründen, die es schon tausendfach gibt. Die Enttäuschung kam überraschend schnell: Unter mehr als 100 Fotos wurden lediglich 4 Stück angenommen. Ich freute mich einen Kullerkeks, dass ich Bilder habe, die dort angenommen wurden, bis ich irgendwann merkte, dass Kullerkekse keine Ecken haben.

Durch die relativ geringe Anzahl an Views und ausbleibenden Verkäufen merkte ich, dass ich etwas falsch mache. Aber anstatt mich mehr auf Stockfotografie zu konzentrieren, fasste ich den richtigen Entschluss:

Ich machte, was mir Spaß macht

Denn mit Stockfotografie lässt sich zwar Geld verdienen, aber seien wir ehrlich: Macht das denn auch Spaß? Deine Bilder werden zu Spottpreisen für unter einen Euro verkauft, wenn du nicht richtig gut bist und dann lässt sich damit doch nichts verdienen. Und so richtige “Kunst” ist das auch nicht, man sieht kaum Bilder, die wirklich etwas mit ernsthafter Fotografie zu tun haben. Darunter verstehe ich aussagekräftige Porträts oder halt so kreative Dinge. Aber genau das macht die Stockfotografie zum Alltäglichen.

Stockagenturen zeigen den Alltag

Wir sehen ständig überall Bilder von Stockagenturen, egal wo wir hinschauen, auf fast jedem Werbeplakat. Deshalb sind die Bilder nichts Besonderes mehr für unser Auge, denn wir sehen sie jeden Tag. Besondere Bilder, die Emotionen ausstrahlen oder den Betrachter welche fühlen lassen, gibt es nicht für Spottpreise zu kaufen – denn dann wären sie nichts Besonderes mehr.

Viele sind der Meinung, dass Stockfotografie das Fotografengeschäft ruiniert, aber im Prinzip ist es eigentlich eine Win-Win Situation. Leute, die alltägliche Bilder brauchen, kommen ganz günstig ran, und Leute die (gute) “Alltagsbilder” produzieren, haben eine riesengroße Plattform, um sie zu vermarkten. Wer hingegen außergewöhnliche Fotografien sehen will, sollte mal die Seiten von namenhaften Fotografen screenen, denn solche Bilder findet man nicht auf Fotolia und Co.

Ich hatte mal eine Diskussion mit einer Fotografin  über Postkarten. Sie meinte “Die Bilder sind perfekt“, ich war der Meinung, dass Postkartenbilder ganz und gar nicht perfekt sind. Denn sie sind nur dazu gedacht, dem anderen zu zeigen, wo man sich gerade befindet und was man gesehen hat. Hast du jemals eine Postkarte bekommen und auf Grund des Bildes eine bestimmte Emotion gefühlt? Nein? Nicht verwunderlich, dafür weißt du, wo dein Absender sich aufgehalten hat. Damit sind Postkartenbilder meiner Meinung nach perfekt für ihren Zweck. Nicht mehr und nicht weniger.

Aber was hat das ganze jetzt mit der Überschrift zu tun?

Ich möchte, dass du dir klar darüber wirst, dass du als Stockfotograf nicht so kreativ werden kannst, wie du es dir vielleicht wünscht. Du kannst keine wunderbaren Astrofotografien, welche die Milchstraße zeigen, zu Stockagenturen geben, dafür wären sie viel zu gut. Und abgesehen davon fällt mir gerade keine Situation ein, in der jemand so ein Bild kaufen würde, weil er es für irgendeine Publikation braucht.

In gewisser Weise ist Stockfotografie nur etwas für Amateure, auch wenn mir viele Fotografen dafür jetzt vielleicht den Kopf abhacken würden, aber ernstzunehmende Kunstwerke kommen dabei wohl in den seltensten Fällen raus. Vielleicht habe ich auch einfach nur ein falsches Bild von der Stockfotografie, falls das so sein sollte, schreibt’s mir bitte in die Kommentare und korrigiert mich. Aber macht es denn Spaß, irgendwelche Bilder zu machen, die es wahrscheinlich schon zu Hauf gibt, und diese dann für ein paar mickrige Cents zu verkaufen? Das wäre nichts für mich …

Ich will damit nicht sagen, dass Stockfotografen Amateure sind, keineswegs, denn die Personen, die hinter den Bildern stecken, sind meistens professionelle Fotografen – jedenfalls alle, die damit hohen Umsatz erzielen können. Aber wie ich bereits sagte, mit künstlerischer Fotografie hat das eher weniger zu tun.

Aber wenn wir ständig nur Top Fotografien sehen würden, wäre das unser Alltag … von daher ist Stockfotografie nicht mehr aus unserem Leben zu denken, denn ohne Gut kein Böse, ohne groß kein klein und ohne Stockfotografie keine Kunstwerke.

Vielleicht stehe ich mit meiner Meinung alleine, vielleicht aber auch nicht … schreibt in die Kommentare, wie ihr zu meiner Meinung steht, und wo ihr die Stockfotografie in eurem Leben seht. Ich stehe gerne zu Diskussionen bereit 😉

PS: Ich habe übrigens mein Like bei der Fotolia Facebook-Page gelassen.

Vielen Dank an Fotolia, die mir das Bildmaterial im Beitragsbild kostenfrei zur Verfügung gestellt hat, hier die bildnachweise:

  • #73823852 © Gianluca Congiu – Fotolia.com
    http://de.fotolia.com/id/73823852
  • #45604399 © Robert Kneschke – Fotolia.com
    http://de.fotolia.com/id/45604399

 

Jonas Oelke

Jonas Oelke

Ich bin Jonas Oelke - Der Typ hinter dem Blog. Der Blog ist meine Tobewiese, alles was mich so interessiert und worüber ich schreiben möchte kommt hier zur Sprache. Das Hauptthema ist aber die Fotografie. Mehr unter "Über mich"

10 thoughts to “Stockfotografie – Nur was für Amateure?”

  1. Hallo Jonas, ich bin auf Deinen Blog gestoßen und bin von der Qualität sehr angetan!
    Du sprichst in diesem Artikel viele Dinge an die offt verschwiegen werden. Mach weiter so!
    Ich bin froh, dass ich um die Stockfotografie drumrum gekommen bin. Vielleicht auch deshalb, weil ich nicht wusste, dass man sich dort als normal Sterblicher anmelden kann 😀

    1. Hallo Cosima,

      schön, dass dir meine Beiträge gefallen. Das freut mich.

      Ich habe nunmal früh angefangen zu überlegen wie ich etwas dazuverdienen könnte. Dann hört man sich natürlich um und fragt bei anderen nach …

      viele Grüße
      Jonas

    1. Hallo Jens,

      ich denke es ist nicht einfach in diese Branche einzusteigen, da es schon sehr viele wirklich “gute” Fotografen gibt, die auch davon leben können. Nur leider hat das nicht mehr viel mit ernsthafter Fotografie zu tun – jedenfalls nicht im ursprünglichen Sinne.

      viele Grüße
      Jonas

  2. Hallo Jonas

    Ein interessanter Artikel. Ich teile deine Meinung und möchte auch nicht, dass besondere Werke für mickrige Cents verkauft werden.
    Nichts desto trotz werde ich den Beitrag hier einem Bekannten weiterleiten, welcher sich nämlich vor wenigen Wochen bei Fotolia registriert hat. 😉

    Grüsse

    1. Hallo Pascal,

      danke für deinen Kommentar. Es freut mich, dass dir mein Beitrag gefällt und du sogar einen Bekannten drauf Aufmerksam gemacht hast. Wie du schon sagst, besondere Werke haben es auch gar nicht verdient zu solch mickrigen Preisen verschleudert zu werden. Es gibt vielleicht viele, die dein Bild für ein paar Cent kaufen, aber es trotzdem nicht schätzen. Wenn ein Kunde dein Bild für mehrere hundert Euro kauft, dann weißt du, dass sich dein Bild wahrscheinlich in den Händen von jemanden befinden, der deine Kunst auch wirklich zu schätzen weiß.

      viele Grüße
      Jonas

  3. Schön das es noch Fotografen gibt die wissen was ihre Arbeit Wert ist und was für eine unerträgliche Abzocke das (vor allem Micro) Stockbusiness ist.

    Zu der leider weit verbreiteten Meinung, das man mit Stockfotografie seinen Lebensunterhalt bestreiten könne möchte ich Folgendes ergänzen:
    Wenn man bereit ist den Ast auf dem man als Fotograf sitzt abzusägen mag das unter Umständen eine Weile stimmen. Bis zu dem Punkt an dem man dann jammernd auf dem Arbeitsamt Schlange steht.

    Und Folgendes musst Du als “Stockfotograf” auch noch akzeptieren:
    -Missachtung deines Urheberrechts (weiss noch jemand was das ist?)
    -Nötigung seites der Agenturen sofern man dieses einfordert oder auch nur dezent nachfragt
    -Das deine Arbeit verschenkt wird ohne das man Dich fragt
    -Das Du, die fotografische Milchkuh, solange gemolken wirst bis du tot umfällst
    -Das Du dich Stunde um Stunde mit den dusseligsten Ablehnungsbegründungen herumschlagen musst weil Du wieder mal Opfer eines “Review-Praktikanten” geworden bist der das Handbuch nicht lesen konnte
    -Das Du langweiligen Stockscheiss fotografieren musst weil gute Fotografie einfach seltener gekauft wird
    -Das deine Bilder auf Pornoseiten landen und Dir deine Models weglaufen und sich die Agentur (gross, börsennotiert & amerikanisch) einen Kehricht darum kümmert die Bilder von diesen Drecksseiten zu entfernen

    Wenn Du all das und noch viel mehr zu ertragen bereit bist dann darfst Du Dich glücklich schätzen zur Gemeinde der immer grösser werdenden “Stockfotografen” zu gehören die froh darüber sind ein Bild für 3 Cent !!! zu “verkaufen”.

    Und wer hier mal eine echte Einschätzung hören will:
    40.000 Fotos bei Shutterstock von http://www.axellauer.de
    Umsatz pro Monat: ca 400€
    DAS ist eine realistische Einschätzung und gehört für mich glücklicherweise der Vergangenheit an (Stockbusiness ist wie die Masern – man sollte sie unbedingt mal gehabt und überlebt haben)

    Da ich die Abzocke satt habe vertreibe ich meine Arbeiten nur noch direkt
    Gruss axel lauer

    PS: Herzlich willkommen auf den Baumwollfeldern von Shutterstock & Co

    1. Hallo Axel,

      vielen Dank für deine Ergänzungen! Ich war damals nicht wirklich erfolgreich und habe mich auch nicht extrem lange damit beschäftigt, weil es es einfach öde fand (und als Hobbyfotograf kann man eben noch machen, worauf man Spaß hat). Daher konnte ich auch nicht viel über Langzeiterfahrungen schreiben, und freue mich nun umso mehr, dass meine Eindrücke auch bei “professionellen” Stockfotografen recht behalten.

      Viele Grüße
      Jonas

  4. Hallo Jonas,
    habe gerade erst gesehen das Du 15 Jahre alt bist.
    Stimmt das?

    Dann aber Respekt! So jung und schon so gute Arbeiten.
    Weiter so….(und verkauf Dich nicht unter Wert)
    Gruss axel

    1. Hallo Axel,

      Stimmt nicht mehr ganz, ich bin im Januar 16 geworden, hab’s nur noch nicht geändert. Aber trotzdem vielen Dank, schön, dass dir meine Arbeiten gefallen – solche Kommentare motivieren mich jedes mal dran zu bleiben.

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