Denk an die Anderen …

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Wir befinden uns mitten in der Vorweihnachtszeit, nur noch wenige Tage, dann wird in den meisten Haushalten Deutschlands Weihnachten gefeiert. Es gibt ein Festessen und alle beschenken sich gegenseitig. Überall hängen Lichterketten und die Häuser sind wundervoll geschmückt. Vor einigen Tage habe ich diese Gelegenheit genutzt, um mit meiner Kamera durch die Straßen Stralsunds zu spazieren und das Weihnachtsfeeling ein wenig einzufangen.

Besonders zu dieser Jahreszeit trifft man auf ein paar mehr Obdachlose auf den Straßen. Ich kam gerade aus dem NanuNana und freute mich nun, alle Weihnachtsgeschenke besorgt zu haben, da traf ich auf so jemanden. Ich habe ihn schon auf dem Hinweg getroffen und beschlossen, dass ich das Wechselgeld, welches bekommen werde,  in seine Dose schmeiße.

Als ich dichter kam, fing ich an, den Mann interessant zu finden. Ich mache das öfter, wenn ich unterwegs bin. Ich schaue mir die Gesichter anderer Menschen an und überlege, ob die Gesichter interessant sind. Das begann, als ich für die Ausstellung “Stralsund Monotone” unterwegs war. Ich brauchte für die Ausstellung Portraits mit Gesichtern Stralsunds, aber ich wollte nicht ein x-beliebiges Gesicht nehmen, sondern eines mit Geschichte, so schulte ich meinen Blick für Gesichter.

Da ich sowieso meine Kamera dabei hatte, fragte ich den Obdachlosen, ob ich vielleicht ein paar Fotos von ihm machen dürfe – davor hatte ich schon einen Teil in seine Kasse gelegt, damit es nicht ganz so unhöflich kommt. Es entwickelte sich ein Gespräch, ich stellte fest, dass er nicht ganz so gut Deutsch spricht, aber ich durfte einen ganz kleinen Teil seiner Persönlichkeit kennenlernen. Ich empfand ihn als sehr sympatisch. Ebenfalls kam er mir trotz seiner schlechten Situation nicht so vor, als dass er das Leben nicht genießen würde. Ich spürte Lebenslust in seinen Worten.

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Er erzählte mir, dass er aus Ungarn kommt und zum Ende der Woche wieder dahin muss. Dort seien auch seine Frau und seine Kinder. Nach unseren Unterhaltungen willigte er ein und ich begann meine Idee, die Bewegungen die er mit seiner Gitarre macht, zu verbildlichen.

Als ich Unmengen an Fotos von dieser extrem interessanten Persönlichkeit gemacht hatte, wollte ich langsam wieder aufbrechen damit ich mich zur vereinbaren Zeit am vereinbarten Ort mit meiner Mutter treffen konnte. Auch er wollte langsam einpacken und in diesem Augenblick beschloss ich, ihm eine kleine Freude zu bereiten. Ich fragte ihn, wie lange er noch da wäre. Darauf antwortete er mir, dass er jetzt eigentlich los wolle und er morgen und übermorgen noch da wäre. Ich habe ihn um 5 Minuten gebeten, woraufhin er mir sogar 10 gab 😀

Also bin ich losmarschiert zum Rossmann, um eines der gemachten Bilder auszudrucken. In Windeseile habe ich die geschossenen Bilder gesichtet und mich entschlossen. Also an den Fotodrucker ausgewählt und gedruckt.

Diese Fotodrucker sind extrem blöd, da sie einem nicht drauf hinweisen, dass die Bilder im falschem Format aufgenommen sind, sondern einfach abschneiden. Naja, ganz nach dem Motte “Scheiß drauf, ich lass das jetzt so”, bin ich an die Kasse. Uff, gefühlt eine Million Menschen waren vor mir an der Kasse. Etwas unter Zeitdruck beeilte ich mich mit demBezahlen und bin schnell wieder zu dem Mann hingegangen, in der Hoffnung, dass er immer noch da ist. Ich wurde nicht enttäuscht. Er hat seinen Platz nicht verlassen und ich überreichte ihm den Umschlag mit dem Foto. Er hat sich sichtlich gefreut. Wir haben uns gegenseitig frohe Weihnachten gewünscht und gingen jeder unseren Weg.

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Es ist ein schönes Gefühl, jemandem ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, und erst recht, wenn dies schon mit Kleinigkeiten funktioniert. Im Nachhinein, beim Schreiben dieses Beitrages, denke ich darüber nach, ob ich ihm nicht vielleicht ein paar mehr Bilder als nur eines hätte geben sollen, vielleicht nächstes Mal.

Ich möchte mit diesem Beitrag bezwecken, dass den Obdachlosen die auf der Straße sitzen mehr Beachtung geschenkt wird. Es muss nicht immer gleich ein Zehner abgegeben werden, aber vermutlich jeder, der diesen Beitrag liest, hat es nicht nötig, auf der Straße zu sitzen und zu betteln (es ist eigentlich ein doofes Wort, weil es so abwertend klingt). Es hält sich immer noch hartnäckig die Meinung, dass es diese Menschen nicht wert wären, da sie ja das Geld eh nur für Alkohol und Zigaretten ausgeben. Aber wer wirklich dieser Meinung ist, der kann auch einfach mal den Rest von seinem Brötchen abgeben. Es ist für uns nur eine Kleinigkeit, aber spätestens wenn der Beschenkte dir ein Lächeln schenkt, dann wirst du erkennen, was du damit erreicht hast! Es ist einfach ein schönes Gefühl. In Frankreich konnte ich einmal beobachten wie zwei Frauen das Baguette von dem sie lediglich zwei mal abgebissen hatten, einem Obdachlosen schenkten

Selbstverständlich werde ich hier keine Bilder veröffentlichen die diesen Mann abbilden, unter Anderem auch aus dem Grund, dass er nicht eingewilligt hat. Aber mit den gezeigten Bildern, möchte ich die Aussage dieses Beitrags noch einmal unterstreichen. Also wenn du das nächste mal an jemandem vorbeigehst, der es sichtlich schlechter hat als du, dann denke wenigsten ein bisschen nach, anstatt ihn komplett zu ignorieren 🙂

 

Jonas Oelke

Jonas Oelke

Ich bin Jonas Oelke - Der Typ hinter dem Blog. Der Blog ist meine Tobewiese, alles was mich so interessiert und worüber ich schreiben möchte kommt hier zur Sprache. Das Hauptthema ist aber die Fotografie. Mehr unter "Über mich"

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