“Die Magie des Matrix Effekts” oder: Wir machten einen Bullet-Time-Shot!

Spannend. Aufregend. Nervenraubend. Einzigartig. Das sind wohl alles Adjektive, mit denen man dieses Projekt und seine Umsetzung umschreiben kann – und doch trifft kein einziges alleine voll umfassend zu. Es war eine Zeit, in der aus dem Wunsch einen eigenen Bullet-Time-Shot zu realisieren ein Mammutprojekt geworden ist; in dem es am Ende um viel mehr geht als eben diesen. Es beginnt mit der Ideenfindung – nein, eigentlich schon vorher mit der Frage „Wie findet man eigentlich Ideen?“. Es stellte sich auch die Frage, wie man denn Unterstützer für solch ein Projekt gewinnen könnte, wie ein reibungsloser Dreh gewährleistet wird und was man beachten muss, um den Aufwand der Postproduktion möglichst gering zu halten.

Besondere Lernleistung

Konkret ist hier die Rede von meiner Besonderen Lernleistung. Es handelt sich im Grunde um eine Art Jahresarbeit – jeder Abiturient hat in seinem letzten Schuljahr die Möglichkeit sich von August bis April mit einem selbstgewählten Thema zu beschäftigen und am Ende mit einer schriftlichen Ausarbeitung dazu eine schriftliche Prüfung zu ersetzten. Ich habe mich in der Zeit zwischen August 2016 und Mai 2017 mit dem Matrix Effekt beschäftigt und eine Arbeit mit dem Titel “Die Magie das Matrix Effekts – von der Idee zur konzeptionellen Umsetzung eines ästhetischen Videoclips inkl. eines Bullet-Time-Shots” angefertigt. Am Ende drehte es sich nicht nur um den Bullet-Time-Shot, sondern grundsätzlich um “Wie produziere ich einen Videoclip?” oder “Wie bereite ich mich am besten auf den Dreh vor?” und einfach allem was mit Videoproduktion zu tun hat.

Making-Of zu den Vorbereitungen des Bullet-Time-Shots

Die Handlung

Wohl einer der schwierigsten Prozesse der ganzen Arbeit war es eine Handlung zu finden. Nach unzähligen Brainstormings mit Freunden und Mentoren entstand eine Story um ein kleines Mädchen, das alleine Zuhause ist. Es wacht verängstigt in der Nacht auf und beschließt eine Falle aufzubauen, falls jemand in das Haus einbrechen sollte. Die Protagonistin füllt also ein Eimer mit Wasser und hängt in vor der Tür auf. Sollte nun ein Einbrecher kommen, würde dieser wohl von einer Wagenladung Wasser überwältigt (hoffentlich) schnell flüchten. Gerade als diese Tat vorbei, hört man plötzlich ein Geschrei … (okay, genug von Max und Moritz) – wie der Zufall es will, hört das Mädchen plötzlich das Knarzen der Tür und vernimmt Schritte – ein Einbrecher ist im Haus. Als dieser die Tür öffnet, unterstreicht die Darstellerin ihr Erschrecken mit einem lauten Schrei, die Tür öffnet sich und der Einbrecher bekommt das Wasser über den Kopf -> an dieser Stelle kommt der Bullet-Time-Shot zum Tragen. Kurz darauf wird aufgelöst, dass das Mädchen all dies nur geträumt hat.

Der Arbeit angehängt findet sich das Drehbuch zu dieser Handlung. Aufgrund der knappen Handlung und notwendigen detaillierten Vorbereitung entschlossen wir uns für ein Drehbuch in Tabellenform.

Der Bullet-Time-Shot

Es gibt mehrere Möglichkeiten einen sogenannten Bullet-Time-Shot zu realisieren, in der Arbeit werden verschiedene Verfahren erläutern und nach Ihrer technischen und finanziellen Realisierungsmöglichkeiten abgewägt. In dem unten verlinkten Video wurde der Bullet-Time-Shot unter Nutzung der Live-Composite-Funktion der OLYMPUS Kameras realisiert. Dazu ein kleiner Auszug aus der schriftlichen Dokumentation dazu:

7.4. Synchronisation über Live-Composite 

Die OLYMPUS Kameras, mit denen wir arbeiteten, verfügen über die sogenannte „Live-Composite“ Funktion. Dabei werden Bilder mit gleichen Einstellungen in einem unbeschränktem Zeitraum hintereinander aufgenommen. Es entsteht ein Ergebnis, bei dem jedes Bild mit dem ursprünglichen ersten Bild addiert wurde. Die Kamera überschreibt in dieser Technik nur die Bereiche des Originalbildes, die auch tatsächlich heller sind – dabei wird ein „Ausfressen“, wie es bei längerer Belichtung auftritt, verhindert. Live-Composite ist daher auch eine gern genutzte Funktion für Lightpaintings. […]

In dem dieser Arbeit angehängtem Clip (siehe „BELL_01_Film“ auf der CD) wurden alle korrekt positionierten Kameras in den Parametern Blende, Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit so eingestellt, dass das Ergebnis schwarz wäre. Sobald der Protagonist die Tür öffnet und das Wasser auf ihn herabfällt, wird manuell ein Blitz ausgelöst, der diese Szenerie beleuchtet. Nun wird der Bereich, der nur für einen Sekundenbruchteil ausgeleuchtet war, genauso in dem Ergebnis der Live-Composite Aufnahme dargestellt und es stehen als Grundlage für den Bullet-Time-Shot perfekt synchronisierte Bilder zur Verfügung.

 

Diese Methode hat auch einen Nachteil: Es wird damit praktisch unmöglich, Motive abzubilden, die sich in einer bereits ausgeleuchteten Umgebung befinden wie zum Beispiel in der freien Natur. Für jede Aufnahme wird ein Blitz benötigt, der in der Lage ist, das entsprechende Motiv alleine für den Blitzmoment komplett auszuleuchten. Es ist ebenfalls zu beachten, dass die Belichtungszeit aufgrund von Einschränkungen der Kamera, bei Verwendung der Live-Composite-Funktion nicht kürzer als 1/2 Sekunde sein kann. Daher werden bei hellen Motiven zusätzlich Graufilter für jede Kamera benötigt. Bei Tageslichtverhältnissen in der Natur wird daher ein Bullet-Time-Shot nur mit starkem Graufilter und einem extrem leistungsstarken Blitz möglich.

Den fertige Film…

…gibt’s bei YouTube anzusehen:

Jonas Oelke

Jonas Oelke

Ich bin Jonas Oelke - Der Typ hinter dem Blog. Der Blog ist meine Tobewiese, alles was mich so interessiert und worüber ich schreiben möchte kommt hier zur Sprache. Das Hauptthema ist aber die Fotografie. Mehr unter "Über mich"

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